Zier- und Rassegefl√ľgelzucht

Herzlich Willkommen beim RGZV Wehdem


100 Jahre RGZV Wehdem

Die Zeit von 1912 bis 1938

Im Jahre 2012 kann der RGZV Wehdem sein 100 jähriges Bestehen feiern.

Von der Vereinsgründung und dem Vereinsleben vor dem 1. Weltkrieg sind leider keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Doch wir können uns auf mündliche Übertragungen aus der Zeit berufen.

Die ersten Zusammenkünfte der Zuchtfreunde in Wehdem fanden in den Wintermonaten 1911 statt. Im Frühling 1912 wurde der Rssegeflügelzuchtverein Wehdem gegründet. Die Gründungsversammlung fand in der Gaststätte Heggemeier, heute Stemweder Hof, statt. Den Vorsitz im Verein übernahm der Amtsrentmeister Konrad Grupen.

                                         

                                  Konrad Grupen                              Fritz Heggemeier

 

Im Gründungsjahr traten 20 Zuchtfreunde dem Verein bei. Konrad Grupen spendete die ersten Ausstellungskäfige und im Herbst wurde in der Gaststätte Heggemeier die erste Ausstellung abgehalten. Es wurden hauptsächlich die Hühnerrassen Italiener, Wyandotten und Leghorn ausgestellt. Bis zum Beginn des 1.Weltkrieges entwickelte sich das Vereinsleben recht gut. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges im Jahre 1918 erwachte das Vereinsleben nur zögernd wieder zum Leben. In den folgenden Inflationsjahren wurden keine Ausstellungen veranstaltet. Die Reichsmark verlor täglich an Wert, eine Briefmarke kostete im November 1923 z.B. 50 Milliarden Mark. Nach der Währungsumstellung führte Conrad Grupen weiterhin den Verein. Neue Mitglieder traten dem Verein bei und das Vereinsleben blühte wieder auf. Um die noch vorhandenen Zuchtstämme mit frischem Blut aufzufrischen, schafften August Lange und Heinrich Lammert aus Lohen Bruteier an. Damals wurden die Eier nicht geschickt, sondern man fuhr mit dem Fahrrad.

Ein Gelege Bruteier (11 Stück) kosteten 15 RM. Da der Verein immer größer wurde, mussten aus der Nachbarortschaft Oppendorf Käfige mit dem Pferdefuhrwerk geholt werden. Bei solch einer Aktion soll einmal ein Fuhrwerk durchgegangen und erst auf einem frischgepflügten Acker gestoppt worden sein.

Die Geflügelausstellung wurde auch zu geselligen Zwecken genutzt. So wurde auf dem Turnplatz unter der Wolfslinde ein Zelt aufgebaut. Jetzt wurde nicht nur eine Geflügelschau gezeigt, sondern ein „ Kükenfest“, an dem das Dorf teilnahm. Im Jahre 1930 verstarb Konrad Grupen und Ludwig Schmidt übernahm bis 1932 den Vorsitz. Ab 1932 war Fritz Heggemeier für den Verein als 1. Vorsitzender tätig. Neu war nun auch, dass die Geflügelausstellung zusammen mit dem landwirtschaftlichen Ortsverein eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen durchführte. Prämiert wurden die größten Runkeln und Kartoffeln, sowie Obst und Gemüse. Die Verbindung der beiden Ausstellungen bestand bis zum Jahr 1939. In dieser Zeit besuchte man auch große auswärtige Schauen. Fritz Heggemeier wurde aufgrund seiner züchterischen Leistungen mit der bronzenen Provinzialmünze geehrt. Ebenso waren Fritz Bick, Fritz Menning, Willi Hansjürgen, Friedrich Holle, August Lange, Karl Meyer, H.Henke aus Haldem und Heinrich Kolkhorst erfolgreiche Züchter des Vereins.

Die Zeit von 1938 bis 1975

 

Der Schmiedemeister August Lange übernahm 1938 den Vorsitz des Vereins. Christoph Piper übte das Amt des Schriftführers aus und Fritz Heggemeier war für die Finanzen verantwortlich. Die für Oktober geplante Ausstellung konnte wegen des Ausbruchs des 2. Weltkrieges nicht mehr durchgeführt werden. Während der Kriegsjahre ruhte das Vereinsleben völlig.

 

                                                                                                             

                                                                             August Lange

Eine Wiederaufnahme der Geflügelzucht nach dem Kriege schien erst nicht möglich zu sein. Viele ältere Mitglieder waren gestorben und zahlreiche junge Mitglieder sind im Krieg gefallen oder waren in Gefangenschaft. Als August Lange 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft heimkehrte, konnte er die alten Mitglieder wieder zur Geflügelzucht begeistern. So wurden mit den Nachbarvereinen emsig Bruteier getauscht. August Lange bestellte 1950 bei seinem Bruder in Amerika 100 Bruteier der Rasse Plymouth Rocks. 1953 bestellte Fritz Menning dort bei seinem Bruder ebenfalls Bruteier derselben Rasse. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur 5-6 Züchter in der BRD, die diese Rasse züchteten. Auf überregionalen Schauen waren Fritz und August mit den Plymouth Rocks sehr erfolgreich und brachten den RGZV Wehdem bundesweit in alle Munde. In den folgenden Jahren wurde wieder das Kükenfest mit Ball abgehalten und die Ausstellungen wurden mit 80 bis 100 Tieren, ausschließlich Hühner, bestückt. Zu jener Zeit wurden die wertvollen Tiere nachts während der Ausstellung bewacht, und der Wächter erhielt als Lohn die gelegten Eier. Sein 50 jähriges Bestehen konnte der Verein 1962 feiern. Zu diesem Anlass richtete der Verein die Kreisgeflügelschau aus. Der Saal Eigenbrodt und ein nebenan aufgestelltes Zelt dienten als Ausstellungsraum. Viele Gäste aus dem Kreisgebiet konnten in Wehdem begrüßt werden. Die züchterische Arbeit nahm in Wehdem immer mehr zu. Nun wurden auch Tauben und Wassergeflügel gezüchtet. Eine ausgediente Brutmaschine vom Geflügelhof Tiemann, die beim Zuchtfreund Willi Reddehase aufgestellt wurde, diente zur Kükenaufzucht. Viele Züchter brachten ihre Tiere zu Schauen nach Bremen, Hamm, Hannover und Diepholz. Stolz kehrten sie mit schönen Preisen und ihren Siegertieren zurück. Zu jener Zeit verbindete eine Freundschaft unseren Vereín mit dem Geflügelverein Bremerhaven. Einige Züchter stellten ihre Tiere auf den gegenseitigen Schauen aus. Im Jahre 1963 war der Verein wieder Ausrichter der Kreisgeflügelschau. Auf dem Hofe der alten Volksschule stellte man ein Zelt auf, in dem 1800 Tiere ausgestellt wurde. Die Ausgabe der Preise und die Feierlichkeiten wurden im Vereinslokal Eigenbrodt abgehalten. Die Festansprache hielt der damalige Landwirtschaftsminister Gustav Niermann. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und von dem Gewinn schaffte sich der Verein neue Ausstellungskäfige an. In den folgenden Jahren musste die Ausstellung aus Platzgründen in einem kleineren Rahmen stattfinden. So wechselte der Ausstellungsort von der Diele des Mützenmachers Hermann Scheer, heute Kaufhaus Buck, und Tischlereiwerkstatt  Hermann Schmidt. Endlich fand man einen schönen großen Ausstellungsort: Die Schmiede von August Lange. Sie wurde jährlich zur Ausstellung ausgeräumt und für die Schau hergerichtet. Die Preise für die Züchter wurden von den Geschäftsleuten aus Westrup und Wehdem gespendet. So gab es Spaten, Hühnerfutter, Forken, Werkzeuge, etc. als Sachpreise. Auch auf überregionalen Schauen waren die Tiere von den Wehdemern Züchtern wohl bekannt.

Eine schöne Geschichte zum Abschluss:

Der damalige Zuchtwart Fritz Bick schickte einen, seiner Meinung nach, sehr schönen goldfarbigen Italienerhahn nach Schleswig-Holstein. Der Empfänger schrieb ihm darauf: „Lieber Fritz, der Hahn ist gut angekommen, gleicht aber mehr einem Storch als einem goldfarbigen Italienerhahn.“

Auch so etwas konnte einem erfahrenen Altzüchter passieren.

Die Zeit von 1975 bis heute

 

Nach 37 Jahren Vereinsvorsitz übergab August Lange die Amtsführung an Arnold Wellmann. 2. Vorsitzender war Karl Nierdieck, Schriftführer Heinz Röhling, Kassierer Karl-Heinz Haver. Arnold Wellmann hat 1976 die Jugendgruppe des Vereins gegründet. Gleich im Gründungsjahr traten 11 Jugendliche dem Verein bei. Auf der Ausstellung im Jahr 1976 stellte die Jugendgruppe 38 Tiere aus. Der damalige Preisrichter Hermann Wiermann meinte zu Arnold Wellman: „ Wenn die Arbeit so weiterläuft, so wird aus dem RGZV Wehdem ein guter Verein.“  Er sollte Recht behalten.

Im Jahre 1977 konnte der Verein auf 65 Jahre Vereinsgeschichte zurück blicken. Arnold Wellmann überreichte dem Verein einen Tischwimpel. Dieser weist neben dem Namen des Vereins auch den Züchtergruß „Gockel Ahoi“ auf. Diese Besonderheit wurde sogar in Rundfunk und Fernsehen bekannt gegeben.

Ebenfalls auf der Generalversammlung1977 wurde eine neue Vereinssatzung verabschiedet.  Auf der Generalversammlung 1979 wurde Horst Stüwe für Karl Nierdieck  zum 2. Vorsitzenden gewählt. Für die Ortsschauen wurden zwei Volieren gebaut, die mit Tieren bestückt wurden, um der Schau ein neues Bild zu geben.

Eine weitere Attraktion auf der Ortsschau war ab 1979 das Aufspielen des Fanfarenzuges aus Lappenstuhl. Auf den darauf folgenden Jahren war der Sonntagmorgen immer sehr gut besucht, auch wegen des Aufspielens des Fanfarenzuges. So wurde ohne Hemmungen auf dem Hofe der Maschinenhalle auch getanzt.

1980 gab es im Vorstand einen großen Umbruch. 2. Vorsitzender wurde nun Ronald Peitzmeyer aus Oppendorf und zum Kassierer wurde Martin Thiesing gewählt. Fritz Bick und August Lange sind auf der Versammlung für ihre 50- jährige Mitgliedschaft im Verein mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet worden. In den 80er-Jahren war die Ausstellung schon zu einem Dorffest geworden. Die Familie Peitzmeyer organisierte immer eine schöne große Tombola, es wurde ein Würstchenstand aufgebaut sowie ein Gansgewichtraten angeboten, an dem alle Besucher immer gerne teilnahmen. Neben dem Aufspielen des Fanfarenzuges Lappenstuhl zeigte auch der Wehdemer Spielmannszug sein Können.

Dem Ehrenvorsitzenden August Lange wurde 1981 eine besondere Ehrung zuteil. Der Vorsitzende des Kreisverbandes, Horst Spreen, und Arnold Wellmann besuchten August Lange in seiner Wohnung, um ihm den Ehrenbrief „Meister der Geflügelzucht des Verbandes Westfalen-Lippe“ zu überbringen.

Das Jungzüchtertreffen des Kreisverbandes fand 1983 in Wehdem statt. 13 Vereine aus dem Kreisverband kamen auf dem Sportplatz in Wehdem zusammen. Für eine weitere Bereicherung der Vereinstätigkeit sorgte Arnold Wellmann 1984 mit einer Tierbesprechung , die bei Ronald Peitzmeyer im Garten stattfand. Diese Veranstaltung wurde von den Züchtern so gut angenommen, dass sie bis zum heutigen Tage einen festen Termin im Jahr einnimmt. Ebenso war das gemeinsame Hähnewettkrähen auf Gemeindeebene eine Idee von Arnold Wellmann. Ebenfalls in Ronald Peitzmeyers Garten lud Arnold Wellmann 1985 die Twiehausener, Leverner, und Oppenweher Geflügelzuchtvereine  zum Hähnekrähwettstreit ein. 26 große Hähne und 59 Zwerghähne standen sich im Wettkampf gegenüber. Auch diese Veranstaltung wird seitdem jährlich im Wechsel zwischen den Vereinen ausgerichtet. Eine weitere Bereicherung der Ausstellung war das Ausstellen von Ziergeflügel. Der Verein hatte 1991  in Eigenleistung 30 Kleinstvolieren gebaut. Seitdem werden auf der jährlichen Schau Ziergeflügel von Fasanen bis Kleinsttauben und Zierenten  präsentiert.

Zum 85. Vereinsjubiläum wurden 1998 die Mitglieder zum Stemweder Hof eingeladen. Man traf sich zum gemeinsamen Kaffeetrinken im Saal und sprach über die vergangene Zeit, außerdem wurden einige Mitglieder geehrt. Im Jahre 1993 entschlossen sich die Mitglieder, ein Siegerband (das Wehdemer Band) für den jeweiligen Sieger in der Abteilung zu vergeben. Ebenso wurde ab 1993 der Wehdemer Kindergarten vom Verein unterstützt. Seit jenem Jahr sponsert der Verein die Ostereier für die Kinder. Auf den darauffolgenden Jahren hatte der Verein immer zu Ostern eine  Brutmaschine im Kindergarten aufgestellt. Seitdem können die Kinder miterleben, wie das Leben im Ei entsteht.

Das Jungzüchtertreffen 1993 des Kreisverbandes  hatte der Verein zum zweiten Mal auf dem Sportplatz in Wehdem ausgerichtet. 1994 wurde nochmals eine neue Satzung erstellt. Der RGZV Wehdem war nun ein eingetragener Verein.

Nach 22 Jahren übergab Arnold Wellmann 1998 den 1. Vorsitz des Vereins an Heinrich Wellmann. Ebenso dankte Ronald Peitzmeyer nach 21 Jahren den Posten des 2.Vorsitzende an Jürgen Lutkewitz ab. Arnold Wellmann wurde am 18.02.2000 für seinen Einsatz für den Verein mit der goldenen Bundesnadel des BDRG ausgezeichnet. Martin Thiesing übernahm 2002 den Vorsitz des Vereins. In den darauf folgenden Jahren musste der Verein öfter die Örtlichkeiten zur Ausrichtung der Geflügelausstellung wechseln. Von 2001 bis 2004 wurde die Ausstellung in den alten Garagen der ehemaligen Tiefbau-Firma Niemeier ausgerichtet. Von 2005 bis heute nutzt der Verein das Gebäude des ehemaligen Lehrschwimmbeckens in Wehdem.

Am 24.März 2012 konnte der RGZV Wehdem auf 100 Jahre Vereinstätigkeiten zurückblicken. Dieser besondere Anlaß wurde festlich im Stemweder Hof gefeiert. Viele Abordnungen aus den benachbarten Geflügelvereinen und dem örtlichen Vereinleben überbrachten dem RGZV ihre herzlichen Glückwünsche.

Obwohl die Zuchttätigkeit und das Ausstellen von Tieren, sowie eine gute Jugendarbeit immer an höchster Stelle steht, hat sich der RGZV Wehdem immer am Dorfgeschehen in der Gemeinde beteiligt. Ebenso wurden wir immer von Gönnern und Sympathisanten freundlich unterstützt. Auf diese Weise möchten wir uns an all diese freundlichen Menschen bedanken. Wenn sich das Blatt in Zukunft nicht ändert, sehen wir den nächsten 100 Jahren positiv entgegen.

In dieser Stunde wollen wir aber auch denen gedenken, die einst Träger des Vereins waren und heute nicht mehr unter uns sind.

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